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#30 – Geistige Hygiene & Bam Bam

SpotBeat Family Podcast
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#30 - Geistige Hygiene & Bam Bam
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Unsere jüngste Tochter ist fast 8 Jahre alt. Wir haben die Windelzeit also lange hinter uns gelassen und wollen ehrlich gesagt auch nicht mehr zurück. Es wird dich also vielleicht überraschen, wenn ich dir erzähle, dass unsere Familie dennoch Zuwachs bekommen hat.

Als Vater von drei Töchtern freue ich mich natürlich über einen Jungen. Er bringt stolze 9200 kg auf die Waage, ist 870cm lang und hat 7,8L Hubraum. Über einen Namen haben wir uns noch keine Gedanken gemacht, aber „Bam Bam“ rückt bei mir in die engere Auswahl.

Nach dem wir Monate lang über das Pro und Contra diskutiert hatten, haben wir es also getan und uns endlich ein Basisfahrzeug zugelegt. Ein Zurück gibt es nicht.

Willkommen bei der 30. Folge des SpotBeat Family Podcasts. Mein Name ist Sergej.

Seit knapp einer Woche sind wir in Portugal an der Algarve. Sind zum ersten mal hier und rätseln, ob das Wasser vor unserer Haustür eigentlich noch zum Mittelmeer oder schon zum Atlantischen Ozean gehört.

Welches Wasser? Du glotzt auf ne Autobahn, wenn du aus dem Fenster schaust.

Warum so pessimistisch? Ja, da ist ne Autobahn, aber nicht nur. Es gibt ja auch Bäume hier. Ich erkläre dir das mal.

Gemietet hatten wir uns eigentlich eine riesige Villa mit Pool nicht weit vom Meer. Du weißt schon, wollten morgens mit Käffchen am Strand der Sonne hallo sagen und so. Und die Bude war ja auch gar nicht so schlecht. Zumindest für drei Tage. Zwar gut in die Jahre gekommen, aber geschmackvoll eingerichtet, groß und sauber.

Dumm nur, dass der Eigentümer keine Heizung eingebaut hat. Gefühlt ist es in der Bude nämlich kälter als draußen. Statt einer Heizung, standen bei uns drei poplige Heizstrahler für 200 Quadratmeter Wohnfläche und als am dritten Tag die Stromversorgung der Villa den Geist aufgegeben hatte, baten wir das Management um eine Lösung. Er sagte:

Shit happens, aber ich habe ein super Haus für euch.

Und so haben wir ein Upgrade bekommen und sind hier gelandet. 4km weiter weg vom Strand und mit einer Autobahn in Sichtweite. Dafür aber in einer kleinen Oase, sehr luxuriös, schön warm und ebenfalls mit nem Pool.

Was bei 18° Außentemperatur nicht wirklich relevant ist.

Ne? Dann sag das mal den Kindern.

Seit knapp vier Monaten durchstreifen wir als digitale Nomaden halb Europa und ich muss dir sagen, wir fühlen uns mittlerweile pudelwohl. Die Trennung von unserem Haus in Deutschland ist überwunden, die großen Ziele für die kommenden Jahre sind gesteckt und unser Leben ist abwechslungsreich, interessant und trotzdem routiniert genug, so dass wir auch Arbeit wegschaffen.

Und ich glaube mittlerweile, dass ich das Geheimnis um ein gutes und zufriedenes Leben gelüftet habe.

Oh man, jetzt kommt’s…

Nein echt jetzt. Ich glaube es verhält sich wie mit dem Flow – also dem Zustand, in dem es einfach läuft, man die Zeit nicht wahrnimmt und anschließend ein Gefühl der Zufriedenheit erlebt. Zufriedenheit entsteht, wenn das Leben herausfordert, aber nicht überfordert. Je mehr Zeit wir in der goldenen Mitte verbringen, desto zufriedener sind wir. Glaube ich.

Das bedeutet, dass Sonne, Pool und Cocktail auf Dauer nicht happy machen. Jahrelange Routine im Hamsterrad aber auch nicht. Stattdessen sollten wir uns immer wieder neuen und angemessenen Herausforderungen stellen, sie bewältigen und uns anschließend auch mal an den Pool legen.

Und alles andere, was uns überfordert, ablenkt, stresst, lähmt und ängstigt, den Flow also verhindert, sollten wir so schnell wie möglich aus unserem Leben verbannen.

Passend dazu vielleicht mal eine Metapher, die ich aus dem Buch „Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte“ aufschnappte:

Stell dir vor du hättest einen wunderschönen Garten. Täglich kümmerst du dich um ihn. Bringst Pflanzen in Form, hebst Laub auf, Düngst die Blumen. Alles gedeiht prächtig und du fühlst dich sehr wohl in dieser von dir geschaffen Oase. Für dich ist das ein Ort der Ruhe und Behaglichkeit. Hier kommst du her, wenn du entspannen und Kraft tanken möchtest. Es duftet nach Blumen, frischer Luft und Humus und wenn du mal für dich sein möchtest, ist das dein Rückzugsort.

Frage: Was würdest du dazu sagen, wenn jemand vorbei kommen und einen Sack Müll in deinen Garten werfen würde? Oder was würdest du tun, wenn jemand einen riesigen Müllhaufen bei dir in dieser Oase ablädt?

Ahm. Also, ich spreche natürlich nur für mich. Aber ich würde denjenigen packen, ihn hinsetzen und ihm dabei zusehen, wie er Stück für Stück diesen Müll selbst wegessen müsste. Und wehe er macht kein genußvolles Gesicht dabei!

Wir sind uns denke ich einig, dass es uns nicht gefallen würde, wenn unsere Oase der Ruhe von anderen beschmutzt wird.

Vielleicht ahnst du es schon, aber dieser Garten ist eine Metapher für unseren Geist. Also unser bewusstes und unbewusstes Denken. Und der Müll sind all die Ängste, Sorgen und negativen Gedanken, die in unserem Kopf rumgeistern.

Sobald jemand kommt und uns Angst macht oder anders psychisch belastet, kippt er Müll in unseren Garten, der uns dann über Tage und Wochen beschäftigt. Aber damit nicht genug. Wir lassen uns sogar freiwillig ganze Müllberge in unseren Kopf kippen. Denn wir konsumieren s.g. Nachrichten.

Ich glaube, dass wir die Funktion von Nachrichten komplett missverstehen. Wir glauben, dass es um Aufklärung geht. Als ob es da draußen jemanden gibt, der ein aufrichtiges Interesse daran hat, uns mit Wahrheit zu versorgen. Also scrollen wir durch die Headlines, in dem Glauben informiert zu werden.

Dabei ist die deutsche Sprache ziemlich ehrlich in dieser Hinsicht. Es geht um zwei Worte: nach und richten. Also um eine nachträgliche Richtungsanpasssung. Eine Art Kalibrierung des Geistes. Mit Nachrichten, Talkshows, Dokumentationen und dem ganzen restlichen Müll, wird die Landkarte unserer Welt gezeichnet. Anschließend wissen wir wo wir lang laufen können und wo lieber nicht. Wir können Gut und Böse benennen und lernen wer Freund und Feind ist.

Aber wenn du mal darüber nachdenkst, dann haben Nachrichten und co. eigentlich keinerlei positive Auswirkung auf unser Leben. Denn in 99% der Fälle sind sie negativ und verursachen in uns mentalen Stress. Sie machen uns Angst und lähmen uns. Sie sind destruktiv. Sie sorgen dafür, dass wir in Angststarre verharren oder in panischen Aktionismus verfallen.

Und ich unterscheide mittlerweile nicht zwischen Staatsmedien, Mainstream-Medien und den alternativen Medien. Ist für mich alles eine Suppe. Alle erzählen zwar etwas Gegenteiliges und ziehen sich gegenseitig in den Dreck, aber das Ergebnis im Kopf bleibt gleich: Angst.

Ach ja, und woher soll ich dann wissen, was in der Welt um mich herum so passiert? Ich könnte doch etwas Wichtiges verpassen!

Das ist so eine Sache. Als Steve Jobs einen seiner Angestellten während eines Meetings dabei beobachte, wie er sich Notizen machte, sagte er:

Wenn es wichtig ist, werden Sie sich das schon merken.

Ich möchte das etwas abwandeln und behaupten: wenn es für mich wichtig ist, dann werde ich es schon merken.

In Spanien waren wir einkaufen und haben 100€ mehr für den Wocheneinkauf bezahlt, als noch vor einem Jahr. Brauche ich also wirklich das Fernsehen, um mitzukriegen, dass wir eine fette Inflation haben?

Eine ernstgemeinte Frage, die mir schon länger im Kopf rumgeistert ist diese: Hätten wir die s.g. „Pandemie“ gehabt, wenn es niemanden gäbe, der die Massenmedien konsumiert?

Ich denke, viel wichtiger für uns als „nachgerichtet“ zu werden, ist unsere geistige Gesundheit und der Luxus in Ruhe denken zu dürfen. Deshalb ist ein gewisses Maß an geistiger Hygiene auch so wichtig. Und dazu gehört es eben auch, denn ganzen auf uns herabrieselnden Abfall von uns fernzuhalten.

Der positive Effekt, der sich einstellt – und ich spreche dabei aus eigener Erfahrung – ist, dass die Angststarre nachlässt. Ich kann in Ruhe nachdenken, Entscheidungen treffen und am allerwichtigsten: zielführend Handeln.

Aber was ist wenn die Welt untergeht und du das gar nicht mitbekommst?

Also einen Weltuntergang bekomme wahrscheinlich sogar ich mit. Und eigentlich gibt es da nur zwei Szenarien: Entweder wir gehen drauf, oder nicht. Und für den Fall, dass wir überleben, habe ich in meiner Schublade eine Klopapierrolle und einen Notfallplan liegen.

Na da bin ich mal gespannt…

Notfallpläne sind eine klasse Sache. Sie nehmen uns das Denken ab und geben dadurch eine gewisse Handlungsfähigkeit. Und überleg mal: eine Apokalypse hat nicht nur Nachteile, denn die Karten werden neu gemischt. Das bedeutet, dass wenn ich es richtig anstelle, ich nachher besser dastehe, als zuvor. Denn, wie jeder Betreiber eines Corona-Testzentrums weiß: Jede Krise steckt voller Möglichkeiten.

Wie sieht mein Notfallplan nun aus?

  • Schritt 1: …Ist einfach: überlebe.
  • Schritt 2: Suche und finde böse aussehende Typen mit einem IQ von knapp unter 80. Verspreche Ihnen Reichtum, Weiber, einen vollen Bauch und Alk soviel sie trinken können. Wenn sie fragen, wie du das anstellen willst, erzählt ihnen, dass du studiert hast und weißt was du tust. Das sollte als Erklärung genügen.
  • Schritt 3: Erkläre deiner neuen Gang, dass alle Währungen wie EURO und Dollar keinen Wert besitzen und dass es noch keine Alternative dazu gibt. Bis alles in Gang kommt, können sie für dich arbeiten und werden in einer Zwischenwährung bezahlt: Klopapier. Klar werden sie doof aus der Wäsche schauen, aber erkläre ihnen, dass Klopapier bald den Wert Gold haben wird und dass du es ihnen beweisen wirst.
  • Schritt 4: Ziehe mit deiner Gang los und suche nach weiteren Überlebenden. Am Besten nach friedlichen Hippies, die sich vor der Apokalypse autarke Siedlungen aufgebaut haben und sich selbst versorgen.
  • Schritt 5: Schick einen Drittel deiner Männer los und lass einwenig Angst in der Siedlung verbreiten. Sie sollen sich austoben, aber nicht übertreiben. Denk dran: Tote und verletzte Hippies arbeiten nicht.
  • Schritt 6: Bevor das zu sehr ausartet, schick die anderen zwei Drittel deiner Männer los und befreie die Hippies von dieser schrecklichen Bedrohung. Erkläre ihnen, dass die Zeiten hart sind und sich ne Menge gefährlicher Gestalten in der Gegend rumtreiben. Biete ihnen an, sie zu beschützen. Sollten sie nicht annehmen, dann wiederhole Schritt 5.
  • Schritt 7: Sicherheit ist ab jetzt dein Produkt. Lass sie dir von den Hippies gut bezahlen. Akzeptiere keine andere Währung als Klopapier. Das ist wichtig. Natürlich haben Hippies kein Klopapier, aber deine Männer haben welches. Sie bekommen es ja von dir als Sold und können mit den Hippies Handel treiben. So bekommt deine Gang was zu essen, was zu trinken und auch andere Dienstleistungen, wenn du verstehst…
  • Schritt 8: Unter den Hippies wird es welche geben, die ein Problem damit haben, was du tust. Oder es sogar durchblicken. Kauf sie mit Klopapier. Sie sollen alle Unzufriedene um sich scharren, den Protest anführen und die ganze Wut anschließend im Nichts verpuffen lassen. Sollte einer zu sehr nerven, dann lass sein Haus durchsuchen und jag ihm ordentlich Angst ein. Sollte das auch nicht helfen, dann lass ihn verschwinden.
  • Schritt 9: Zeit, um zu wachsen. Vergrößere deine Gang, etabliere eine Befehlskette, finde die nächste Siedlung und wende das an, was du bisher gelernt hast.
  • Schritt 10: Erlaube den Hippies Zeitungen zu drucken, die in allen deinen Siedlungen kostenlos zu haben sind. Sie sollen gegenteilige Meinungen vertreten dürfen und Pluralität heucheln. Lass ihnen Insiderinformationen zukommen und führe Sie auf falsche Fährte. Bei den wichtigen Fragen haben sie aber die Augen zu schließen und zu schweigen.
  • Schritt 11: Baue den Hippies eine Schule, auch wenn sie keine wollen, und verpflichte ihre Kinder zum Unterricht. Die Lehrer sollen ihnen erklären, was für ein geiler Typ du bist und dass du sie alle gerettet hast. Viel mehr lernen sollten sie darüberhinaus aber nicht. Die Fleissigsten von ihnen können später für dich arbeiten und dafür sorgen, dass der Laden gut läuft.
  • Schritt 12: Gründe einen Geheimdienst. Er soll die drei wichtigsten und lukrativsten Märkte für dich aufbauen. Das ist der Waffen-, Drogen- und Menschenhandel. Außerdem soll der Geheimdienst all die kleinen und dreckigen Geheimnisse über die sammeln, die höhere Ämter bei dir bekleiden. So kannst du sie auf Linie bringen, falls sie mal ausscheren sollten. Und er soll die Konkurrenz im Auge behalten, unterwandern und kontrollieren. Wenn das nicht gelingt, dann müssen sie eben verschwinden. Halte deine Feinde klein, aber groß genug, um sie gegeneinander benutzen zu können.
  • Schritt 14: Installiere eine repräsentative Demokratie und lass die Hippies alle paar Jahre ein paar Zettel in einen Mülleimer werfen. Erkläre ihnen bereits in der Schule, dass sie die Zukunft mitgestalten und sich wählen lassen können. Als Voraussetzung brauchen sie nur einen Schulabschluss und müssen dein Young-Leaders-Program durchlaufen.
  • Schritt 15: Führe kleine soziale Experimente im Hippie-Zoo durch. Beobachte, wie sich sich verhalten, lerne daraus für die Zukunft und wende das Gelernte an. Lass die Zügel auf keinen Fall los, sonst artet das aus und die Hippies jagen sich wieder in die Luft. Dann beginnt der Spaß nämlich von vorn und das willst du nicht.

Ok. Also ich habe mir deinen Scheiß jetzt angehört und ich weiß nicht ob das so funktioniert. Dafür müsste dein Notfallplan, naja, irgendwie geheim sein oder so. Aber wenn du dir anschaust, dass bei jedem kleinen „Buh“ im Fernsehen das Klopapier ausverkauft ist, dann scheinen ne Menge Leute den Plan zu kennen, oder?

Weiß ich doch, aber zumindest zeigt die Geschichte, dass der Plan nicht allzu unrealistisch ist. Denn als Frankreich in den 1880er Jahren Madagaskar eroberte, taten die Franzosen genau das. Sie erhebten eine Kopfsteuer, die die Einwohner in der Währung Frankreichs zu zahlen hatten: dem Goldfranc. Und wie kam der Ureinwohner Madagaskars an den Goldfranc? Richtig, nur durch die auf Madagaskar stationierten Soldaten, die irgendwo ihren Sold ausgeben mussten. Jetzt, 140 Jahre später ist Madagaskar eine s.g. Demokratie, die Kinder gehen zur Schule und alle sind happy.

Ob man sich auf den Weltuntergang überhaupt sinnvoll vorbereiten kann, weiß ich nicht. Ich bin der Meinung, dass jeder von uns zumindest zu einem gewissen Grad an Autarkie arbeiten sollte. Denn von anderen abhängig zu sein ist kacke und bedeutet erpressbar zu sein.

Deshalb beginnen wir im April auch mit dem Ausbau eines autarken Wohnmobils. Wobei, selbst da gibt es Grenzen. Denn das Fahrzeug braucht immer noch Öl und Diesel. Und wenn es keine funktionierende Tankstelle in der Gegend gibt, dann wird unsere Mobilie zu einer Immobilie.

Wie du siehst, habe ich persönlich die Hoffnung, dass uns die Zivilisation noch eine Weile erhalten bleibt. Sonst wüsste ich auch nicht weiter.

Seit November ist bei uns eine Menge passiert. Auf dem Weg nach Portugal haben wir über Weihnachten einen kleinen Zwischenstopp in Deutschland eingelegt.

Kleiner Zwischenstopp? 5000km Umweg nennst du einen kleinen Zwischenstop?

Wir haben den Kindern versprochen, dass wir Weihnachten mit den Omis feiern. Außerdem wollten wir unsere Familien und Freunde wiedersehen und das haben wir auch geschafft. Obwohl es doch einwenig anders gelaufen ist, als gedacht.

In Deutschland gab es wohl einen gewissen Nachholbedarf an ansteckenden Atemwegserkrankungen, sodass gefühlt 4 von 5 Menschen krank waren. Und so war auch dieses Weihnachtsfest leicht fragmentiert. Wir feierten nicht als eine große Familie, sondern in zwei getrennten Gruppen: Die mit einer Rotznase und die ohne.

Gut ist, dass die Kids viel Zeit mit den Omis verbracht haben. Ich selbst habe meine Kinder in den 2,5 Wochen vielleicht vier mal gesehen, was aber unseren Plänen geschuldet ist. Denn wir waren nicht ganz untätig. Genau genommen haben wir unseren Fuhrpark verdoppelt.

Über Geld redet man doch nicht. Vielleicht fange ich einfach mal chronologisch an. Denn in den letzten zwei Monaten ist einiges gelaufen, was ich gern erzählen würde.

Zunächst einmal bekamen wir Ende November Besuch. Lea suchte im Internet eigentlich nach Freilernern, stolperte dann über unseren Podcast und schrieb mich spontan an. Übrigens, gut gemacht Lea! Sie, ihr Mann Jörg und ihr Sohn haben sich mit dem WoMo auf den Weg nach Marokko gemacht und stoppten bei uns in Denia auf einen Kaffee.

Aus dem Kaffe wurde dann ein Wochenende und ich freue mich heute noch wie ein Schneekönig über diese Bekanntschaft. Eine super sympathische Familie, die wir sofort in unser Herz geschlossen haben. Wenn wir Glück haben, dann treffen wir uns nochmal hier in Portugal. Und wenn nicht, dann ganz sicher wo anders.

Es macht übrigens Spaß mit Menschen Zeit zu verbringen, die eine mobile Lebensweise führen, wie wir. Denn obwohl wir heute hunderte Kilometer von einander entfernt sind, schneiden sich schon morgen unsere Wege und wir trinken einen Kaffee, tauschen uns aus und lernen neue Dinge von einander.

So haben wir in Spanien Anja mit Steve und Heidi mit Dieter wiedergesehen und hatten sogar drei Wochenende mit unseren besten Freunden Ela und Erich verbracht. Gestern hatten wir einen super Tag mit Vanessa und Paulina in Lagos. Und während der Feiertage haben wir unsere komplette Verwandtschaft wiedergesehen.

Ich kann also mit gutem Gewissen behaupten, dass wir sozial auf unsere Kosten kommen.

Unsere jüngste Tochter wird zum 01. Februar in die Online-Schule ihrer Schwestern eingeschult. Folglich lag dieses Jahr auch ein Tablett mit Stift und Tastatur für sie unter dem Tannenbaum und meine Frau ist bald dieses leidige Homeschooling-Thema los.

Das glaube ich nicht.

Ne, nicht wirklich. Kinder in der zweiten Klasse brauchen noch viel Unterstützung – insbesondere bei der Technik – so dass meine Frau wohl gewissermaßen zu einer Hilfskraft der Schule mutiert. Aber auch das legt sich mit der Zeit, sobald die kleine fit mit der Technik ist. Außerdem raffen Kinder alles unheimlich schnell.

Das Schulgeld ist logischerweise angewachsen, so dass wir trotz Geschwisterrabatt nun bei etwas mehr als 1100€ pro Monat liegen. Da die Qualität der Schule aber sehr gut ist und wir als Kunden und nicht als Bittsteller behandelt werden, ist es uns das Geld wert.

Die Kinder sind überwiegend happy. Klar, nicht alles macht Spaß – ist halt trotzdem eine Schule – aber die Grundstimmung ist positiv. Die älteste hat Zauberei als Fach dazubekommen und unsere mittlere bringt den anderen Kids am Freitag Abend Yoga bei. Selbst Kekse haben sie im Online-Unterricht gebacken. Läuft also alles besser als erwartet.

Mitte Dezember haben wir Denia tschüss gesagt und haben einen 2200km Trip nach Deutschland hingelegt. In Karlsruhe machten wir für eine Nacht ein kleines Päußchen und lernten Andi persönlich kennen. Er ist derjenige, der uns beim Ausbau des Wohnmobils helfen wird.

Du meinst, du wirst ihm helfen…

Sag ich doch. Mein Wissen ist noch sehr beschränkt und ausschließlich theoretisch und Andi hat bereits einige Expeditionsmobile ausgebaut und arbeitet außerdem als LKW Mechaniker, so dass ich bei ihm geballtes Wissen aus einer Hand bekomme.

Wir haben uns seine Halle angesehen, um eine Vorstellung zu bekommen, wo wir bald schrauben werden und ganz grob den Ablauf besprochen. So wie es aussieht werden wir mindestens für ein Jahr nach Karlsruhe ziehen und suchen eine Wohnung. Wenn du also jemanden kennst, der in der Nähe vom Stadtteil Grünwinkel eine Wohnung vermietet, die für eine 5-Köpfige Familie geeignet ist, dann würden wir uns über einen Tipp freuen.

Im Hotel besuchten uns Juliane und Eleonora – die Cousinen meiner Frau. Als wir da so quatschten wurde mir langsam bewusst, dass wir uns in Karlsruhe auf keinen Fall einsam fühlen werden. Denn mit deinen beiden war das so, als ob wir uns Jahre kennen würden. Leider war die Zeit wie immer zu knapp und wir mussten los, aber wir freuen uns schon auf unsere Zeit mit ihnen.

In Deutschland hatten wir eine Wohnung für 2,5 Wochen gemietet und hatten einen ehrgeizigen Plan:

  1. Möglichst viel Körperfett aufzubauen. Denn es war kalt und bei den leckeren Kochkünsten unserer Mütter anders gar nicht möglich.
  2. Ein größeres Fahrzeug mit einem riesigen Kofferraum kaufen. Denn auf die Kombination von Kombi und Anhänger hatten wir keine Lust mehr.
  3. Kombi und Anhänger verkaufen. Denn wir brauchen für den LKW jeden Cent.
  4. LKW kaufen und nach Karlsruhe zu Andi in die Halle bringen.

Und was denkst du haben wir davon geschafft?

Äh, wie immer nix?

Ne, alles. Einfach alles. Alles war lecker und bin deutlich fetter geworden. Einen schwarzen T5 fahren wir jetzt auch. Warum? Weil zufälligerweise Andi’s Arbeitskollege einen verkaufen wollte. Andi aus Karlsruhe – als KFZ Mechaniker jemand vom Fach – begutachtete das Fahrzeug für uns, kaufte es und schickte uns die Papiere. Wir haben also – so wie wir halt sind – unser Auto ohne es jemals gesehen oder gefahren zu haben, gekauft.

Übrigens, wenn du denkst, dass es eine gute Idee ist, am 30.12 in der Zulassungsstelle ein Fahrzeug zuzulassen, dann hast du vollkommen recht. Denn wir kamen rein, zogen eine Nummer und waren an der Reihe. 15 Minuten später war der Bus zugelassen.

Gleich nach Silvester packten meine Frau und ich eine kleine Reisetasche und rasten 1000km runter nach Graz. Das ist in Österreich. Dort angekommen, präsentierte uns der Händler einen Iveco Trakker. Ein 20 Jahre altes Fahrzeug mit Allrad-Antrieb aus dem Bestand der Schweizer Armee. Es ist grün, hat ein paar Roststellen und ca. 170.000km runter. Aber es hat die Beste Pflege bekommen, die ein LKW bekommen kann. Das Fahrerhaus lässt sich um weitere zwei Sitze erweitern, so dass wir als Familie alle vorne sitzen werden und – was mich besonders freut – es hat eine automatische Gangschaltung und so gut wie keine Elektronik.

Wir bezahlten einen hohen – aber für die Fahrzeugklasse immer noch niedrigen Betrag, setzen uns rein und fuhren 800km nach Karlsruhe. Das waren meine ersten Kilometer als LKW-Fahrer überhaupt. Und was soll ich sagen? Es ist geil!

Dank Andi, steht der LKW nun trocken und sicher in einer Halle. Wir haben den Rahmen vermessen und uns das Fahrzeug genauer angesehen, haben dann die Kennzeichen an unseren neuen T5 Bus dran geklemmt und fuhren weitere 500km zurück nach Hannover.

Am Tag unserer Abreise nach Portugal, meldete sich morgens spontan ein Händler bei mir, der unseren Kombi für einen akzeptablen Preise kaufen wollte. Er kam vorbei, zahlte bar, stieg in den Wagen und fuhr weg. Bäm, auch dieses Problem war gelöst.

Wir sagten unseren Liebsten bei einem Mittagessen tschüss, stiegen in unseren T5 und fuhren los.

In der Woche zwischen Deutschland und Portugal, haben wir das Schloss Versailles besucht, waren in San Sebastian spazieren und haben den Flair von Sevilla’s Altstadt genossen.

Es macht Spaß und es ist teilweise komisch, wie sich Dinge scheinbar von alleine fügen. Einmal bei Steve laut ausgesprochen, dass ich ein Expeditionsmobil möchte, brachte mich eine Kette von Bekanntschaften beispielsweise zu Andi.

Andi löst viele unserer Probleme mit dem LKW und hat uns sogar einen Bus besorgt. Und unser Treffen mit den Cousinen meiner Frau, könnte uns aktuell bei der Suche nach einer Wohnung eine für uns recht komfortable Lösung eröffnen.

Wie gehts also weiter?

Bis Ende Februar bleiben wir in Portugal und bewegen uns dann langsam Richtung Nordspanien. Die Stadt Bilbao ist unser letzter Stop und dann wird es ernst. Ab April sollten wir in eine Wohnung ziehen, die sich möglichst in der Nähe der Werkstatt befindet, wo wir den Ausbau starten. Dann werde ich vermutlich in Arbeit ertrinken.

Noch ringe ich mit mir, ob wir den Ausbau aus den laufen Einnahmen finanzieren oder ob wir uns stattdessen einen Kredit über 50.000€ nehmen und ich auf halbtags reduziere. Beides hat Vor- und Nachteile. Aber ich tendiere mehr zur Halbtagsarbeit, weil ich dann mehr Zeit für den Ausbau habe und dadurch mehr lernen kann. Außerdem zahlen wir dann deutlich weniger Steuern, weil wir weniger einnehmen.

Bis es soweit ist, beschäftige ich mit Theorie. Das heißt wir spielen nach wie vor am Grundriss und ich arbeite mich durch meine neue Bibel – dem 600 Seiten starken Buch von Ulrich Dolde. Danke für den Tipp Jörg!

Während ich das Buch lese, erstelle ich parallel ein Lastenheft. Das ist im Grunde genommen eine Art Katalog mit Anforderungen, die das mobile Haus erfüllen soll. Beispielsweise einen Urintank mit 120L, eine stabile Internetverbindung und vier Arbeitsplätze. Sobald das Lastenheft fertig ist, werde ich es veröffentlichen, so dass auch du einen Blick darauf werfen und dir evtl. Anregungen holen kannst.

Auch den Zwischenrahmen muss ich noch planen, um ihn im April mit meinem Vater bauen zu können. Es ist also genug zu tun.

Was mir noch Kopfzerbrechen bereitet ist die Dokumentation. Ich würde unheimlich gern den Ausbau per Video dokumentieren. Vielleicht nicht jede Schraube, aber zumindest so, dass man im Anschluss einen Eindruck vom Umfang bekommt.

Ich weiß aber auch wieviel Zeit ein Podcast in Anspruch nimmt. Und ich bin definitiv nicht bereit noch viel mehr Zeit in ein Video-Projekt zu stecken. Daher kreisen meine Gedanken um eine semi-automatische Lösung mit Bewegungserkennung und Zeitraffer oder so. Ist aber alles noch nicht Spruchreif.

So, komm mal langsam zum Ende.

Denke ich auch. Außerdem knallt bei uns die Sonne. Unser inoffizielles Mantra lautet ja: „Alles richtig gemacht“. Deshalb packe ich mir gleich meine Frau, fahre runter zum Strand und beweise mir selbst, dass es immer noch so ist.

Was auch immer du gerade tust, ich wünsche dir viel Erfolg dabei. Wir hören uns bald wieder.

Bis dann.

Über diesen Autor gibt es soviel zu sagen, das passt hier alles gar nicht hin. Am Besten kontaktieren und kennenlernen 😉.

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