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#21 – Krieg & Grundstück

SpotBeat Family Podcast
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#21 - Krieg & Grundstück
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Wenn du schonmal in Spanien warst, dann sind dir bestimmt schonmal die Ramblas aufgefallen. Das sind trockene Flüsse, die sich aus den Bergen runter in die Täler winden und irgendwann im Meer münden.

Ramblas sind teilweise vollständig betoniert, wenn sie durch Städte führen. Da sie furztrocken sind, sehen sie so aus, als ob sie ein Überbleibsel aus einer längst vergangen Zeit sind. Sie sind teilweise 100m breit und wir haben schon welche gesehen, wo Fussballtore aufgestellt wurden. Da fließt also sehr selten Wasser durch.

Teilweise sieht es so aus, als ob die Spanier einwenig übermotiviert beim Bau dieser Ramblas waren und als ob sie überflüssig sind. Sie sind wie gesagt trocken. Dass die Dinger ihre Daseinsberechtigung haben könnten, hörten wir heute Nacht in unserer Blechbüchse. Hier mal eine kleine Kostprobe…

Scheinbar kommen hier manchmal Regenmassen runter, die solche Drainagen notwendig machen. An schlafen ist also nicht zu denken und unterhalten können wir uns bei der Lautstärke auch nicht. Grund genug für mich endlich das zu machen, was längst überfällig war.

Du meinst einen Podcast aufzunehmen, den du eigentlich schon vor zwei Wochen liefern wolltest?

z.B. Ich erspare dir Ausreden und komme lieber gleich zum Thema. Denn in den letzten vier Wochen hat sich einiges bei uns getan. Und, so wie es aussieht, im Rest der Welt auch.

Beispielsweise haben wir an dem Tag, an dem Russland in die Ukraine einmarschiert ist, ein Grundstück in Spanien gekauft. Und das sorgt für einen ganz schönen Kontrast in unserer Gefühlswelt.

Willkommen bei 21. Folge des SpotBeat Familiy Podcast. Mein Name ist Sergej.

Warren Buffet – also ein Mann mit ordentlich Geld und einigen Beziehungen – hat mal folgendes gesagt:

Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.

Das hatte er 2006 einer New York Times Reporterin geantwortet, als sie ihn fragte, was die Größte Herausforderung unserer Zeit ist.

Laut Statista gab es im letzten Jahr weltweit 2755 Menschen, die ein Vermögen von mindestens einer Milliarde Dollar besitzt. Die Klasse von Warren Buffet. Superreiche Millionäre, also die mit einem Nettovermögen von mehr als 100 Millionen Dollar, gibt es weltweit dagegen mehr als 10.000.

Zählt man noch ein paar Angestellte wie Anwälte, Steuerberater, Vorstände, Politiker usw. dazu, kommen wir auf eine kleine aber feine Armee von 100.000 Mann, die gegen den Normalsterblichen – also dich und mich – ins Feld gezogen ist.

Ihre Knarren haben sie zu Hause gelassen, denn primitive Waffen brauchen sie nicht. Sie haben viel wirkungsvollere Waffen dabei. Sie besitzen z.B. nahezu alle börsennotierte Medien und Konzerne. Charakterschwache Nachwuchspolitiker absolvieren ihre Traineeprogramme und stimmten dann für Gesetzte, die von den eigenen Anwälten geschrieben wurden. Und sie haben ausreichend Geld, um Korruption auf jedem Level zu finanzieren.

Sie haben richtig erkannt, dass sie sich gegenseitig nicht mögen müssen, und trotzdem kooperieren und an gemeinsamen Zielen arbeiten können. Und es handelt sich um Menschen, die – anders als du und ich – nicht in Nationen denken, sondern global.

Oh, jetzt hör doch mal mit deinen Verschwörungstheorien auf!

Ich will damit nur sagen, dass der Krieg in Ukraine mich zwar schockt, aber nicht wirklich überrascht. Es passt in mein Bild von der kranken Welt, in der wir leben. Eine, in der Menschen sich auf Kosten anderer bereichern. Und das um jeden Preis.

Auf einer Ebene sehen wir, wie Menschen leiden. Sie währen sich gegen einen Feind. Greifen zu Waffen. Hassen einander und töten sich gegenseitig.

Auf einer anderen Ebene ist es ein regelrechtes Festessen. Banken profitieren von der Finanzierung aller Seiten. Die Rüstungs- und Pharmaindustrie werden ihre Lagerbestände los. Spekulanten mit den richtigen Insider-Informationen profitieren von fallenden Kursen. Und auch machtgeile Politiker reiben sich die Hände. Denn wenn Menschen in eine Angststarre verfallen, dann befinden sie sich in einem Modus, in dem sie praktisch jede Schweinerei akzeptieren. Der Scheiß soll nur aufhören.

Seit dem die s.g. Pandemie im Jahr 2020 ausgerufen wurde, haben die 10 reichsten Menschen der Welt ihr Vermögen in weniger als zwei Jahren verdoppelt. In Krisen und Kriegszeiten gibt es eben nicht nur Verlierer, sondern auch einige wenige Gewinner.

Weil das so ist und weil die Gier und Skrupellosigkeit einiger Menschen keine Grenzen kennt, kann ich mir gut vorstellen, dass Krisen von bestimmten Gruppen befeuert und sogar künstlich erschaffen werden. 

Ich meine das haben die Menschen die letzten Jahrhunderte so gemacht. Warum sollte das heute anders sein?

Für mich sind die Pandemiespiele der letzten zwei Jahre und der Krieg in Ukraine zwei Symptome ein und der selben Krankheit. Ich habe nur noch keinen Namen dafür. Und es würde mich nicht wundern, wenns die nächsten Jahre noch dicker kommt.

Leider, und das ist der Punkt bei dem ich bereits kapituliert habe, sind Menschen – nun ja – eben Menschen.

Weil ein Typ russischer Herkunft mit der Unterstützung seiner Oligarchen Kumpels in die Ukraine einmarschiert ist, schmeißen die Menschen in Deutschland konsequenterweise die Scheiben russischer Läden ein. Auch das „russischer“ in russischer Zupfkuchen wird von Bäckereien gestrichen.

Wenn ich das weiterdenke, dann komme ich bei meinen Vorfahren an. Als die Sowjetunion und Deutschland Krieg führten, haben die Sowjets alle Menschen deutscher Herkunft enteignet und nach Sibirien verfrachtet. Scheißegal, dass sie dort schon über 150 Jahre gelebt haben und, bis auf die Sprache, kaum Bezug zu Deutschland hatten. Der potenzielle Feind im eigenen Land muss unschädlich gemacht werden. Sicher ist sicher.

80 Jahre später, die selben Denkmuster. Dass Menschen aus Geschichte und Vergangenheit lernen, kann mir keiner mehr erzählen. Der Mensch lernt nur aus eigenen Erfahrungen und nicht den Erfahrungen anderer.

Mich tangiert der Mist, der die letzten 20 Jahre um uns herum abgeht. Es lässt mich nicht kalt. Und obwohl der Krieg in der Ukraine mich wütend macht, muss ich zugeben, dass ich nicht daran glaube, dass es das letzte schlimme Ereignis ist, das uns in Europa erwartet. Da gibt es noch eine ganze Palette, die ebenfalls gut ins Muster passen würde. Stromausfälle, Engpässe in der Lebensmittelversorgung, Hackerangriffe auf Infrastruktur, ausbleibende Gas- und Öllieferungen usw.

Also alles das, was uns eine scheiß Angst einjagt und uns Dinge akzeptieren und tun lässt, die vorher inakzeptabel waren.

Viel ändern kann ich daran nichts. Aber irgendetwas sagt mir, dass ein ortsunabhängiges Heim, Autarkie und Unabhängigkeit keine schlechte Idee für die kommenden Jahre wären.

Als wir zwei Monate unterwegs waren und wir 90% unserer Zeit irgendwo wild standen, wurde die Maßnahmen-Schlinge in Spanien wieder enger gezogen. Und da kamen mir ein paar „was wenn“ Fragen.

Was ist wenn sie uns den Zugang zum Supermark verwehren? Was ist, wenn wir an der Tankstelle ohne Covid-Pass kein Wasser und Sprit mehr bekommen? Was ist, wenn wir überall Strafen zahlen müssen, wo wir uns illegal hinstellen?

Mir ist aufgefallen, dass ich ein paar dieser Probleme mit eigenem Land in Spanien lösen könnte. Und zwar nicht nur für mich, sondern auch für andere.

Es gibt in Spanien Regionen, in denen es praktisch keinen Frost gibt. Heißt es ist prinzipiell möglich das ganze Jahr über zu züchten und zu ernten. Das machen viele Unternehmen auch. Zucht von Gemüse ist hier Big Business.

Es ist auch möglich Wasser zu speichern und Grauwasser in einer Art Kreislauf wieder in Brauchwasser umzuwandeln.

Im Süden Spaniens ist mit 300 Sonnentagen pro Jahr eine Versorgung mit Elektrizität ohne Probleme möglich. Ebenfalls dank der Sonne kann auch Warmwasser über Solarthermie in ausreichender Menge hergestellt werden.

Und schließlich kann man auf seinem eigenen Grundstück mit einem mobilen Haus stehen, ohne von der Gardia Civil vertrieben zu werden. Selbst wenn es nur Agrarland ist.

So war die Idee von einem autarken Grundstück für Häuser auf Rädern geboren und wir spinnten mit Anton diese Idee weiter. Die Idee fand er gut und wir machten uns auf die Suche nach passenden Grundstücken. Wobei wir vier einfache Anforderungen hatten:

  1. Meerblick mit südlicher Ausrichtung.
  2. Ausreichend flach, damit Fahrzeuge sich gerade hinstellen können.
  3. Zugänglich über eine befestigte Straße.
  4. Guter mobiler Internetzugang, damit wir arbeiten können.

Es hat einwenig gedauert, aber wir haben das perfekte Grundstück nun gefunden und gekauft. Es hat 4200qm, einen bombastischen 360° Panoramablick über das Meer und die Berge und es ist in geraden Terrassen angelegt. Die Strasse, die zum Grundstück führt ist zwar einwenig steil, aber befestigt und das mobile Internet ist super.

Na hoffentlich haben sie dich nicht übers Ohr gehauen.

Das werden wir bald wissen. Sollte bei dem Kauf nichts schief gegangen sein und wir unseren Registereintrag bekommen, mache ich eine Flasche auf.

Das Grundstück hat noch eine andere Funktion. Es dient uns als Wertspeicher. Der Euro inflationiert dank des Raubzugs der letzen zwei Jahre nun immer schneller und mir fällt keine bessere Lösung ein, als es in etwas umzuwandeln, das ich auch anfassen kann. Und, es wird wahrscheinlich nicht der letzte Kauf dieser Art gewesen sein.

Ok, du hast jetzt Ackerland mit Büschen und Steinen drauf. Und was willst du damit?

Nun, es soll eine Anlaufstelle für Leute wie uns werden. Sprich Familien mit Häusern auf Rädern, die lernen wollen ein ortsunabhängiges und autarkes Leben zu führen.

Wir selbst planen nicht länger als vier Monate pro Jahr hier zu leben und zu arbeiten. Es ist also nicht als Permanentresidenz oder Kommune gedacht. Und es wird auch kein öffentlicher Stellplatz, den jeder anfahren kann. GPS Koordinaten wollen wir nur an Familien mit Kindern weitergeben, die wir persönlich kennen.

Ob es dafür Bedarf gibt oder nicht, kannst du selbst beurteilen, wenn du mal in Spanien mit dem Camper unterwegs bist.

In den letzten drei Wochen haben wir immer wieder Stellplätze angefahren, um zu duschen. Es gab Tage, an denen wir teilweise 5 Stellplätze anfahren mussten, damit wir einen Platz bekommen. Denn ohne Platz, keine Dusche.

Das Bild, was wir zu sehen bekommen ist im Prinzip überall das gleiche. Deutsche Rentner soweit das Auge reicht. Sie mieten sich für Monate und teilweise für Jahre im Voraus auf Plätzen ein, auf denen man auch Schrott stapeln könnte. Irgendwo am Arsch der Welt, zwischen Lagerhallen und Gewächshäusern.

Die Betreiber würden die Wohnmobile auch übereinander legen, wenn dies möglich wäre und trotzdem würde der deutsche Rentner freiwillig sechs Monate seines Lebens im Abstand von 2 Meter zum nächsten Nachbarn verbringen. Hauptsache der reservierte Platz ist ihm sicher und die Sonne scheint.

Diese Massenrentnerhaltung ist ein deprimierender Anblick, oder anders gesagt: es ist nichts für uns.

Sobald die Deutschen Rentner so einen Platz in der Mehrzahl belegen, beginnen sie mit dem Terraforming. Sprich sie gestalten den Platz so um, wie sie es brauchen. Das Personal lernt deutsch, morgens gibt es Brötchen, der grüne Plastikrasen wird ausgerollt und ein Kunststoffzaun befestigt. Der Nachbar zwei Meter weiter wiederholt den Prozess und kurze Zeit später sieht es nach einer Schrebergartensiedlung aus. Bloß alles sehr viel enger.

Aus unserer Perspektive ergibt das was wir vorhaben, sehr viel Sinn. Und ich denke, dass es andere Familien ebenfalls zu schätzen wissen werden.

Es gibt aber gewisse Einschränkungen, denn unsere Gäste müssten einen Teil ihrer Autarkie selbst mitbringen.

Strom beispielsweise. Es ist so einfach stromautark zu werden, dass es keinen Sinn machen würde einen Platz mit einer Steckdose auszustatten. Es würde auch die feste Installation einer Photovoltaikanlage erfordern, was hier auf dem Land nicht erlaubt ist. Nur Bewegliches darf hier stehen.

Die andere Einschränkung ist eine Trockentrenn- oder Verbrennertoilette. Das Flüssige und das Feste kommt bereits getrennt aus unserem Körper raus und so sollte es bleiben. Sobald beides in Verbindung kommt, beginnen die Probleme, die nur mit modernen Kläranlagen gelöst werden können.

Bleibt es getrennt, lassen sich die Sachen ohne Probleme auf dem Grundstück entsorgen.

Das vorletzte Puzzlestück zur Autarkie ist Wasser. Wenn du dich dafür interessierst, dann schau dir mal das Wassermanagement von Ownhouse an. Es ist ein Filterkreislauf für Grauwasser, das mit einer Pflanzenkläranlage und Regenwasser funktioniert. Es ist so einfach, wie genial und löst 95% der Wasserprobleme auf unserem Grundstück.

Wie genau das funktioniert, mache ich mal zum Thema, wenn wir das System gebaut haben. Vorher wäre jede Erzählung bloße Theorie.

Zum Schluß haben wir noch an den Anbau von Gemüse gedacht. Denn ca. 1000qm wollen wir als Ackerfläche belassen, an der sich Freiwillige austoben können. Das ist nicht ganz meine Baustelle, obwohl ich ganz sicher auch ein paar Jalapenos pflanzen werde.

Das wäre dann der grobe Plan.

Wieviel wir davon dieses Jahr umgesetzt bekommen, bleibt abzuwarten. Vor Allem weil im Moment keiner sagen kann, wie sich dieses Jahr entwickeln wird. Aber wir haben Anton und Vica versprochen im Herbst wiederzukommen und einige Monate in den Ausbau zu investieren.

Im Moment drehen sich unsere Gedanken also viel um die Zukunft. Wir arbeiten, schmieden Pläne und versuchen unsere Mädels zu beschäftigen. Wenn man mal die Scheiße in Ukraine beiseite lässt, dann ist unser Leben sehr angenehm. Und ich hoffe, dass sich bald alles legen wird, damit die Menschen durchatmen können.

In diesem Sinne hören wir uns in zwei Wochen.

Bis dann.

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Kein Spam. versprochen.

Über diesen Autor gibt es soviel zu sagen, das passt hier alles gar nicht hin. Am Besten kontaktieren und kennenlernen 😉.

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