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#14 – Weihnachten

SpotBeat Family Podcast
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#14 - Weihnachten
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Mein Ich heute und mein Ich vor sagen wir mal einem Jahr, sind zwei völlig zwei verschiedene Menschen.

Oh, Oh, aufgepasst! Er lässt mal wieder den Philosophen raushängen.

Nein im ernst. Unser Körperzellen erneuern sich permanent. Alle vier Wochen haben wir eine brandneue Haut und in unserem Blut schwimmt kein rotes Blutkörperchen rum, das älter als vier Monate ist. Muskelzellen dagegen können auch mal 15 Jahre alt werden, aber auch die werden ersetzt. Und sogar unsere Hirnzellen erneuern sich. Das nennt man dann Neurogenese.

He, also kann ich doch saufen und dieses Neurodingstabumsta repariert mein Kopf?

Kommt sicherlich auf die Menge an. Aber der Natur sind gewisse Grenzen gesetzt und Wunder vollbringen kann sie auch nicht. Daher gibt es keine Absolution.

Die Plastizität des Gehirns macht sich auch an unserem Gedächtnis bemerkbar. Wir Menschen haben nämlich die coole Fähigkeit uns die Vergangenheit so zurecht zu biegen, wie wir sie brauchen.

Das funktioniert, in dem wir darüber sprechen. Jedes Mal, wenn wir anderen über ein Ereignis aus unserer Vergangenheit erzählen, lügen wir ein kleines Stück dazu. Und das Witzige ist, dass wir den Quatsch dann irgendwann selbst glauben.

Dazu gab es einige Experimente, unter anderem auch mit Kindern.

Hey mein Schatz, weißt du noch an deinem Geburtstag, als du 5 Jahre alt geworden bis, sind wir doch nach Rusti-Land gefahren.

Ja, und?

Da bist du doch auf so nem weißen Pferd geritten. Wie hieß das nochmal?

He, was für ein Pferd? Ich bin auf keinem Pferd geritten.

Doch, doch. Ich musste dir noch hoch helfen und du hattest zuerst Angst, aber dann stampfte das Pferd mit dem Bein und du fandest das voll witzig.

Ne echt jetzt?

Ja, und dann habt ihr eine Runde gedreht und danach wolltest du gar nicht mehr runter.

Ah, jetzt wo du es sagst. Da war was. Das Pferd hieß glaube ich Snowflake, oder?

Snowflake? Nein du Hirnie. Es gab gar kein Pferd. Hab dich veräppelt.

Willkommen bei der 14. Folge des SpotBeat Family Podcasts, mein Name ist Sergej.

Das dieses zurechtbiegen der Vergangenheit auch bei mir selbst funktioniert, beweise ich mir jedes Jahr aufs neue. Und jedes Jahr schmeiße ich mich dabei weg. Mein Bruder und ich haben nämlich vor ca. 10 Jahren eine kleine Tradition begründet. Wir setzen uns im Januar hin und schreiben (jeder für sich) an unser zukünftiges Ich zwei Briefe. Den ersten Brief lesen wir nach einem Jahr und den zweiten nach fünf Jahren.

Und was steht da so drin?

Das bleibt komplett uns selbst überlassen. Ich schreibe über den aktuellen Ist-Zustand. Was mich gerade beschäftigt. Was ich so für Pläne habe und worum meine Welt sich gerade dreht. Und dann packe ich da noch einen Haufen Prognosen für die Zukunft rein und definiere für mich selbst ein paar Ziele. Und das am Besten so, dass ich mich selbst zum Lachen bringe. Das liest sich dann ungefähr so:

Na Dickerchen? Immer noch am Abnehmen? Komm lass es sein. Hat die letzten zwanzig Jahre nicht funktioniert, warum sollte es dieses Mal klappen? Mein Gewicht ist gerade exakt 75 Kilo und ich hoffe, das du das nicht verdoppelt hast. Oder doch? Sag ma, ich programmiere da gerade so ne App. Hast du sie zu Ende gebaut und bist wie geplant Milliardär geworden oder hast du wie immer eine Ausrede gefunden und hast sie in der Schublade verschwinden zu lassen? Und so weiter.

Da meine Briefe an mich selbst mittlerweile einige DinA4 Seiten lang sind und ich viel Zeugs reinschreibe, was bei mir gerade so los ist, merke ich später beim Lesen immer wieder, dass Dinge aus meinem Gedächtnis verschwunden sind oder Ereignisse sich anders abgespielt haben, als ich mich daran erinnere. Besonders krass, bei den Briefen, die älter als 5 Jahre sind und ich z.B. noch weniger Kinder oder einen anderen Job hatte.

Da das Jahr 2021 geht zu Ende und bei uns eine Menge passiert ist, freue ich mich schon auf meinen Brief aus dem letzten Jahr. Denn da steht bestimmt nicht drin, dass wir planen mit einem Wohnmobil nach Spanien zu fahren. Oder etwa doch? Ist ja auch egal. Nach Silvester setze ich mich wieder hin und schreibe die nächsten zwei Briefe.

Apropos Silvester. Wir haben wie immer keine Pläne und wissen noch nicht, was wir machen werden. Aktuell stehen wir auf einem Camping-Platz bei Mar Menor. Das ist ein Salz-See, an dem ich mich wie zu Hause fühle. Ich bin nämlich an so einem See geboren und aufgewachsen. Das hieß bei uns „Liman“ und war so groß, dass man das andere Ufer nicht sehen konnte. Das Abgefahrene war aber, dass er komplett flach war. Man konnte Kilometer weit durch diesen See laufen, ohne schwimmen zu müssen.

Hast du uns nicht gerade in einem langatmigen Monolog erklärt, dass man seinem eigenen Gedächtnis nicht trauen kann und behauptest jetzt ernsthaft, dass du als Achtjähriger dich erinnern kannst, dass Menschen zu Fuß einen See durchlaufen konnten, der 40 Kilometer lang ist?

Äh…. Also zurück zum Camping-Platz. Eigentlich wollten wir hier gar nicht bleiben. Denn anders als in den anderen Buchten, in denen wir üblicherweise stehen, gibt es hier eine Menge Mücken. Janina hat es in der ersten Stunde nach der Ankunft auf sagenhafte 7 Mückenstiche gebracht und wollte fliehen.

Auch der Rest wurde nicht verschont, aber es immer gut neben ihr zu sitzen, denn Sie scheint nicht nur auf Kinder, sondern auch auf Mücken eine anziehende Wirkung zu haben.

Auf jeden Fall wollten wir am nächsten Tag weg, haben uns aber dann doch anders entschieden. Denn wir haben die AGB’s des Camping Platzes nicht gelesen, in denen sinngemäß folgendes steht:

Hast bezahlt. Hast dich hingestellt. Dein Geld bleibt hier.

Nach knapp einer Woche müssen wir aber sagen, dass es gar nicht so schlimm war. Eigentlich ganz im Gegenteil. Der Platz ist voll ok. Alle sind entspannt und es gibt kaum Maskenträger. Selbst die Deutschen Rentner hier sind locker. Die sanitären Einrichtungen sind super und der See sowieso ist eine Romanze.

Denn hier gibt es anders als am Meer keine Wellen und kaum Wind. Der See ist absolut still und wenn sich morgens der Nebel setzt und darüber die Sonne aufgeht, ist das eine fantastische Kulisse. Mar Menor ist auf jeden Fall ein Tipp.

Der große Nachteil ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Selbst an der Bettwäsche merkt man das. Sie fühlt sich so an, als ob sie nach der Waschmaschine nicht komplett getrocknet wäre. Ein wirklich komisches Gefühl und wir müssen durchgehend lüften.

Einen Camping-Platz haben wir uns übrigens deshalb ausgesucht, weil wir irgendwo Weihnachten feiern wollten, wo wir uns breit machen konnten. Am Strand geht das nämlich nicht, denn dann wäre es Camping und die Gardia Civil könnte uns vertreiben.

Deshalb haben wir die Wohnmobile von Michael und Jenny nebeneinander gestellt und da zwischen zwei Planen so gespannt, dass ein windstiller und blickdichter Raum entstanden ist. Hier essen wir und schauen Abends gemeinsam Serien.

Unsere Frauen sind eh fantastische Köche, aber mit Jenny als professionelle Köchin an der Spitze war das Weihnachtsessen einfach ein lecker Traum. Dicken Dank nochmal dafür. Und heute geht es weiter. Ich glaube ich werde eine Woche fasten müssen, um das wieder loszuwerden.

Am 24. haben Michael und ich mit den Kids einen Spaziergang gemacht. Als wir wiederkamen, müssen wir den Weihnachtsmann wohl knapp verpasst haben, denn in jedem Wohnmobil lagen ein Haufen Geschenke.

Hey, wie der das immer macht, ne. Staunste immer wieder.

Die Kids haben wir danach logischerweise nicht mehr gesehen. Sie waren gut beschäftigt.

Es ist seit langer Zeit unser erstes Weihnachten außerhalb von unserer großen Familie und natürlich haben sie uns allen gefehlt. Es sind für uns besondere Umstände und wir hoffen alle, dass wir nächstes Jahr wieder zusammen feiern können. Aber wir haben mehr als das Beste daraus gemacht und eine Menge Spaß hatten wir auch.

Gestern haben wir beispielsweise das Spiel BoomaRun erfunden. Vereinfacht gesagt, wirft einer den Boomerang und der Rest versucht ihn zu fangen. Ist echt lustig.

Erzähl lieber nicht, dass ihr das zu einem Trinkspiel weiterentwickelt habt und du als Vater des Jahres deine Tochter zum Bier holen geschickt hast.

Ähm. Themawechsel. Morgen fahren wir weiter. Es geht für uns zurück nach Mazarron, zu Marios „Anwesen“ am Strand. Von Mario habe ich dir letzte Woche erzählt. Meine Teile für die Photovoltaikanlage sind da und wenn alles gut läuft, werde ich nächste Woche den Laptop über unsere nagelneue Anlage auf dem Dach unserer Elefantenkuh laden. Das wird echt gut.

Apropos Mazarron. Ich war vor ein paar Tagen wieder bei der Area Camper. Dem Stellplatz, an dem wir unsere Pakete liefern lassen. Und dem Stellplatz, an dem wir als Ungeimpfte nicht mehr willkommen sind. An der Rezeption arbeitete zufälligerweise Priscilla, eine Deutsche, die dort was nebenbei verdient. Und ich habe sie gefragt, wie die aktuelle Lage ist.

Sie erzählte mir, das es für die Camping-Platz-Betreiber noch gar keine verpflichtende 2G Regelung gibt, sondern nur eine freiwillige Empfehlung. Und das der Chef sich eben dafür entschieden hat keine Ungeimften mehr zu akzeptieren. Interessant, oder? Das erklärt auch, warum wir auf anderen Camping-Plätzen stehen dürfen, bzw. immer noch stehen.

Gab es da nicht mal im Darknet einen Link, wo man ein Tausend negative Google Bewertungen für’n Apple und ein Ei bestellen konnte?

Wäre eine Überlegung wert.

Jenny hat für heute klassisch Deutsche Weihnachtsgerichte angekündigt. Das große Fressen geht also bei uns weiter. Und nächste Woche ist auch noch Silvester.

So, das war heute etwas kürzer.

Dir wünsche ich einen guten Rutsch ohne nennenswerte Vorkommnisse. Wir hören uns in einer Woche wieder.

Bis dann.

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Kein Spam. versprochen.

Über diesen Autor gibt es soviel zu sagen, das passt hier alles gar nicht hin. Am Besten kontaktieren und kennenlernen 😉.

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