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#9 – Full-Moon-Party & Werkstatt

SpotBeat Family Podcast
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#9 - Full-Moon-Party & Werkstatt
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Was genau macht man eigentlich, wenn einem in Spanien die Karre verreckt?

„ADAC rufen“

Naja, so richtig verreckt ist uns der Wagen noch nicht. Deshalb haben wir den Pannendienst noch nicht gebraucht. Aber ich muss kein Mechaniker sein, um die dunklen Wolken am Horizont zu erkennen.

Der Motor muckt. Bzw. er springt so lala an und dann geht die Drehzahl hoch und runter. Bis er dann am Mittwoch – und das ist neu – ganz von allein ausgegangen ist.

„Selbst schuld. Hast halt Schrott gekauft.“

Ja, Informatiker eben. Nun sind wir aber in Spanien, sprechen kein Spanisch und müssen das Problem lösen. Wie gut oder schlecht wir uns dabei angestellt haben, und wie wir auf einer Full-Moon-Party gelandet sind, erzähle ich heute.

Willkommen bei der neunten Folge des SpotBeat Family Podcasts. Mein Name ist Sergej.

Ein Coach hat mir mal zum Thema Smalltalk folgendes gesagt:

Es gibt Themen, über die spricht man in einem Fahrstuhl nicht. Dazu gehören Politik und Religion. Und im Zweifel: Sprich über das Wetter.

Ok, also wie ist das Wetter bei dir so? Bei uns im Süden Spaniens zeigt das Thermometer um 7:00 Morgens kühle 13° an. Ein Wohnmobil kühlt ähnlich schnell aus wie ein Auto, so dass die Innentemperatur schon bald die Außentemperatur erreicht.

Morgens und Abends ist die perfekte Zeit zu arbeiten. Zumindest für mich. Es ist kühl und die Hände kleben nicht an der Tastatur. Nachts schmeißen wir gelegentlich die Heizung an, um uns zu wärmen. Irgendwann kommt die Sonne raus und dann ändert sich alles. Es wird heiß. Die lange Hose und den Pulli tauschen wir dann gegen eine Badehose und gehen ab und an sogar ins Wasser.

Das Paradoxe: Sonne und Schatten sind von der gefühlten Temperatur wie Tag und Nacht. Also bleiben wir möglichst lange im Sonnenschein.

Am Donnerstag hat es geregnet. Der erste Regen seit dem wir in Spanien sind.

„Oh du armer!“

Was ich damit sagen wollte ist, dass wir noch keine Nacht im Wohnmobil verbracht hatten, in der es geregnet hat. Sonst hätte ich dir bestimmte schon früher erzählt, wie laut das eigentlich ist.

Nieselregen hat etwas romantisches. Man hört es zwar, aber es ist ein angenehmes Geräusch. Platzregen ist eine andere Sache. Stell dir ein Blechdach vor, auf den man Wasser kippt. So hört sich das in einem Wohnmobil an. Und zwar durchgehend.

Wir sind mehrmals in der Nacht durch die Lautstärke wach geworden. Schlafen konnten wir irgendwie, aber eben mit Unterbrechungen. Und weil es tagsüber auch geregnet hat, haben wir gemerkt, wie klein ein Wohnmobil sein kann. Denn raus wollte keiner, so dass wir uns den Platz gut einteilen mussten. Trotzdem konnte jeder das machen was er wollte. Also halb so schlimm.

Am Donnerstag sind Anton und Vica weitergezogen. Sie wollen ihre Wohnung unter Dach und Fach bringen und müssen sich durch die spanische Bürokratie kämpfen. Wir sind allein weitergefahren, was für uns aber voll ok ist. Denn was uns an diesem Camperleben so gut gefällt, ist die lose Kopplung.

„Na hör ma mit deinem Nerd-Gequatsche auf.“

Damit meine ich, dass jeder macht was er will und wann er will. Wir kommen zusammen, fahren auseinander und kommen irgendwo in einer anderen Konstellation wieder zusammen. Es gibt keine Zwänge und wir müssen auf niemanden warten. Sind aber trotzdem nicht allein. Irgendwie die perfekte Mischung.

Zwischendurch erledigen wir den Alltagskram wie die Entsorgung und Einkäufe. Und durch die vielen Kontakte hier, erfahren wir Dinge, die wir sonst nie allein rausgefunden hätten. Beispielsweise die Full-Moon-Party an der Playa der Rafal, bei der wir zufälligerweise dieses Wochenende gelandet sind.

„Was? Full-Moon-Party? So wie auf Koh-Panghang? Mit Drogen und so?“

War auch mein erster Gedanke. Ist aber keine richtige Party, sondern eher ein Insider-Event. Denn in der Nähe wohnt Sina. Und Sina kocht einmal im Monat am Strand Paella. An Vollmond. Deshalb Full-Moon-Party. Für 6€ bekommt man eine Portion Paella, Schnaps und Nachtisch. Hammer lecker sage ich dir.

Wir parkten neben einem uralten Mercedes Bus, der locker 60 Jahre auf dem Buckel hat. Er wurde zuerst als Schulbus in Buenos Aires gefahren, später als Wohnmobil zugelassen und diente dann einer Band als Unterkunft. Jetzt ist es das fahrende zu Hause von Benny, Lisa und ihrem Sohn. Die Bus-Technik ist immer noch top und der Dieselmotor läuft besser als unser. Ein echter Exot.

Benny und Lisa stechen Tattoos und Pircings und sind genauso außergewöhnlich, wie ihr Bus.

Auch Isa haben wir kennengelernt. Sie ist mit ihrem alten VW T3 Bus allein unterwegs. Eigentlich wollte sie sich mit ihrem Freund auf Fuerteventura treffen, aber der hat sich seine Ex-Freundin einfliegen lassen, was ihre Pläne leicht durcheinander brachte. Jetzt fährt sie von Strand zu Strand und sucht Wellen, auf denen sie surfen kann.

Abends wurde es richtig voll. Michael, Janina, Mara und Jenny sind dazugekommen. Und eine alte Camper-Garde kam zusammen, um die Paella zu futtern. Insgesamt waren wir so um die 30 Leute. Auch wir bekamen etwas ab und haben uns wieder einmal selbst bewiesen, dass die spontansten Aktionen, die besten sind.

Bevor wir zu diesem Strand kamen, musste wir am Freitag das Problem mit dem Motor klären. Denn wenn er jetzt schon ausgeht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir liegen bleiben.

Also fuhren wir in die Werkstatt und ich erklärte dem Mechaniker das Problem:

„Hola Sinor, mi nombre es Sergej. No hablo espanol. Hablo aleman, ingles y ruso. Tengo un problema con mi choche. El motor da tirones en frio. Hay que limpiar la válvula de mariposa. ¿Me puede ayudar?“

„Ja ist klar. Das hast du mal so eben rausgehauen.“

Ok, ok. Ich geb es ja zu. Es war nicht exakt so. Ich dachte mir, dass eine primitive Herangehensweise die beste ist. Als ich vor einigen Jahren mit chinesischen Lieferanten kommuniziert habe, haben sich kurze und einfache Sätze bewährt. Also habe ich mir einige kurze Sätze online übersetzt, sie auf einen Zettel geschrieben und bin damit zu einem Spanier gegangen, der englisch konnte. Ich gab ihm den Zettel und fragte, ob er versteht, was da steht?

Er las sich sich das durch, und meinte:

„Verstehe. Dein Auto ist kaputt. Aber wo genau hast du da einen Schmetterling?“

Schmetterling? Das kann ja lustig werden, dachte ich mir. Anton hat für mich telefonisch einen Termin bei der Werkstatt vereinbart. Wir sind morgens hin, ich gab dem Mechaniker wie so ein Taubstummer den Zettel, er las sich den Text durch, nickte und fing auf Spanisch an zu erzählen.

Verstanden habe ich nichts, aber ich grinste und nickte. Das schien mir angemessen zu sein. Dann kam mir eine Idee. Auf dem Handy meiner Frau, habe ich den Übersetzter geöffnet und auf Spanisch/Deutsch gestellt. Ich gab ihm das Teil und er tippte. Auf meinem Handy öffnete ich Deutsch/Spanisch und tippte meine Antworten.

Ich fuhr in seine Halle, er klemmte das Diagnosegerät an und kam nicht weiter. Unser Fiat Ducato fehlte wohl in seinem Programm und so empfahl er uns zu einem Bosch-Diagnose-Center zu fahren. Die können wohl mehr.

Dort angekommen, hatten sie leider keine Zeit für uns und wir sollten es am Montag gegen 9:00 morgens nochmal versuchen. Das Problem haben wir also noch nicht gelöst, dafür aber unsere Hemmungen abgelegt, mit Spaniern in Kontakt zu treten. Das verbuchen wir mal als Erfolg.

Während ich das hier aufnehme, regnet es bei uns schon wieder. Aber morgen soll die Sonne wieder kommen. Und die brauchen wir dringend. Denn die Akkus sind leer und mein neues PV-Panel funktioniert bei Regen nicht.

Drück uns also die Daumen.

Übrigens kristallisiert sich so langsam eine Art Plan heraus. Wir haben von 30 Meter hohen Wellen in Portugal gehört. Die Saison dafür ist aber erst zwischen Januar und Februar. Da es in Portugal im Moment kälter und viel windiger ist als bei uns, bleiben wir vorerst hier. Denn dieses Gegend Spaniens ist die wärmste und trockenste im Winter. Und im nächsten Jahr ziehen wir dann langsam Richtung Atlantik.

Zum Glück gibt es hier für uns genug zu sehen. Am Mittwoch haben wir zum Beispiel „Castillo San Juan de las Aguilas“ besichtigt. Eine Burg aus dem Jahr 1579, die als Schutz gegen Piraten erbaut wurde. Kindern machen solche Ausflüge Spaß. Sie sind praktisch durchgehend am rum flitzen und entdecken.

Ein kleines negativ-Ereignis hatten wir an dem Tag aber auch. Denn geparkt hatten wir auf einem Parkplatz unterhalb der Burg. Der war in einer Sackgasse und von der Hauptstraße nicht einsehbar. Auf der anderen Straßenseite lungerten drei Typen rum und haben uns beobachtet.

Es ist leider so, dass in Spanien und Italien Einbrüche in Wohnmobile eher die Regel als die Ausnahme sind. Anton wurde beispielsweise das Fenster eingeschlagen und ein 4000€ Laptop gestohlen. Michael gab uns den Tipp alle Wertsachen im Rucksack mitzuschleppen, sobald wir das Wohnmobil verlassen.

Deshalb blieb Anton bei den Autos, damit wir unser Sightseeing-Programm durchziehen konnten. Er nahm zu ihnen Blickkontakt auf, holte sein Telefon raus und tat so als ob er telefoniert. Das hatte seine Wirkung und die Typen verzogen sich. Auch das gehört zu diesem Leben, aber mit der entsprechenden Vorsicht lässt sich Schaden minimieren bzw. ganz vermeiden.

So, ich bin mit meinen Themen durch. Heute Abend ist grillen angesagt. Bis dahin ziehe ich mir die Shorts an und gehe ans Wasser. Wir hören uns in der nächsten Podcast Folge.

Bis dann.

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Kein Spam. versprochen.

Über diesen Autor gibt es soviel zu sagen, das passt hier alles gar nicht hin. Am Besten kontaktieren und kennenlernen 😉.

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