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#3 – Wasserschaden im Wohnmobil

SpotBeat Family Podcast
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#3 - Wasserschaden im Wohnmobil
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Hast du schon mal etwas von „Deepfake“ gehört? Nein? Das ist vereinfacht gesagt eine künstliche Intelligenz, die digitale Inhalte täuschend echt fälschen kann. Also Computer-Programme, die Bilder, Videos, Audios oder Text so erzeugen können, dass wir Menschen sie nicht als Fälschung erkennen.

Am Meisten beeindruckt mich eine KI, die Nacktbilder erzeugen kann. Ich sollte lieber sagen, dass sie mich am Meisten gruselt. Als Vorlage bekommt sie ein stinknormales Foto, auf dem ein Mensch wie du und ich abgebildet ist. Angezogen versteht sich. Und als Ergebnis kommt dieser Mensch komplett nackt raus. Täuschend echt. Wie das funktioniert, erkläre ich gleich.

Willkommen zur dritten Folge von SpotBeat Family Podcast. Mein Name ist Sergej.

Vier Fragen stehen heute auf meinem Zettel:

  1. Warum wollen wir ausgerechnet mit einem Wohnmobil durch die Gegend fahren?
  2. Wir haben einen Wasserschaden im Wohnmobil gefunden. Wie schlimm es?
  3. Warum nehmen wir eigentlich einen Podcast auf und drehen keine YouTube Videos, wie normale Menschen auch?
  4. Die wichtigste aller Fragen: Wie ist der Termin in der Schule unserer Kinder gelaufen?

Spannende Fragen. Legen wir also gleich los.

Warum ein Wohnmobil? Warum nicht fliegen? Warum nicht Backpacken oder auf einem Boot paddeln?

Grundsätzlich sind wir allen Möglichkeiten gegenüber offen, unterwegs zu sein, und werden auch vieles ausprobieren. „Boot wäre geil.“

Aber auf Flughäfen haben wir im Moment einfach keinen Bock. Regierungen weltweit ändern ihre Regeln zur Ein- und Ausreise praktisch täglich. Grenzübergänge am Flughafen haben noch nie Spaß gemacht, aber aktuell erst recht nicht. Und das selbe gilt für Schiffe und Fähren.

Bleibt nur der Landweg. In Europa wurden die Grenzen abgebaut. Grenzkontrollen finden nur stichprobenartig statt. Das klingt gut für uns. Zumal wir im Fall der Fälle in nur zwei Tagen ganz Europa durchfahren könnten. Also, wenn wir müssten. Aus dieser Perspektive klinkt der Landweg erstmal nach dem kleinsten Übel für uns. Aber natürlich wird erst die Praxis zeigen, ob wir damit recht haben oder nicht.

Dann habe ich die vergangenen Jahre etwas an uns beobachtet: Wenn wir an einem neuen Ort ankommen, dann kommen wir erst nach ca. zwei Wochen in eine Routine rein. Alles ist neu. Man muss sich einrichten. Supermärkte und Internet suchen, Gegen erkunden, sich eben mit der neuen Umgebung vertraut machen.

Und auch wenn ich Routinen irgendwie nicht leiden kann, sind sie für ein funktionierendes Leben doch wichtig. Beispielsweise für die Produktivität. Ich persönlich kann nicht irgendwo mit dem Flieger landen, ins Hotel einchecken, meinen Laptop rausholen und dann vier Stunden produktiv arbeiten.

Dafür bin ich einfach zu aufgedreht. Auch meiner Frau geht es so. Und den Kindern sowieso. Das haben wir schon mehrmals versucht und es funktioniert nicht.

Unsere Hoffnung ist, dass es mit einem Wohnmobil anders sein wird. Denn wir schleppen unseren kompletten Minihaushalt mit. Heißt, wir essen, schlafen und arbeiten so gesehen am selben Ort. Auch wenn die Umgebung sich ändert, sollte der Großteil der Routine erhalten bleiben.

Meinem aktuellen Kunden habe ich vier Stunden pro Tag produktive Arbeit zugesichert. Das stelle ich mir wirklich schwer vor, wenn wir irgendwo am Backpacken sind. Zumal die Frage nach dem Internet nicht immer klar ist. Nicht überall gibt es guten Mobilfunkempfang.

Ich bilde mir ein fürs Wohnmobil eine gute Lösung gefunden zu haben. Die alte Satellitenantenne auf dem Dach habe ich abmontiert und durch eine 50cm große LTE Richtantenne ersetzt. Die habe ich mit einem LTE/Wlan Router im WoMo verbunden und konnte mit 40 Mbit/s Dateien aus dem Netz laden. Und das reicht für meine Arbeit vollkommen aus.

Während ich am Schrauben war, hat meine Frau das Innere des Wohnmobils zerlegt und von oben nach unten geputzt. Und dabei hat sie im Alkoven Schimmel gefunden. „Shit“.

Also habe ich mir einen Spachtel gekrallt, kletterte nach oben und fing an die Folie zu entfernen. Die Stelle, die ich freigemacht habe, war ca. 20 x 60 cm groß und schwarz. Erst dann stieß ich wieder auf helleres Holz. Ich stocherte weiter und merkte, dass an einigen Stellen das Holz weich war und nachgab. Ich stach also mit einem Schraubendreher rein und der verschwand erstmal in der Tiefe. Locker 4cm tief.

Fuck, das Ding ist wohl gelaufen, dachte ich mir. So konnte es aber auch nicht bleiben. Also stocherte ich weiter und stieß überall auf weiches, vergammeltes Holz. Ich prokelte rum und holte immer mehr raus. Das Holz sah stellenweise aus wie Kohle und war weich wie Knete.

Mir ist auch nicht ganz klar, wo das Wasser herkommt. Es muss eine undichte Stelle geben, aber wo genau, habe ich nicht gefunden.

Mittlerweile sind wir vom anfänglichen Schock runter und werden weder das Wohnmobil reklamieren, noch unsere Pläne ändern. Ich habe ein Heizgerät hingestellt und die Ecke zwei Tage getrocknet. Dann habe ich Silikatgel-Perlen bestellt, eine Strumpfhose meiner Frau zerschnitten („Das sage ich ihr“) und die Perlen da rein geschüttet. Diese Perlen ziehen Feuchtigkeit. Du kennst bestimmte die kleinen Tütchen mit so einem Granulat, das man häufig in Dosen mit Pulver findet. Das sind die gleichen Perlen.

Diese Strumpfhosen-Perlen Konstruktion habe ich in die Stelle reingestopft, aus der ich das gammlige Holz rausgeholt hatte.

Ich hoffe, dass ich unterwegs auf erfahrene Wohnmobilbesitzer treffe, die mir dann erzählen können, was ich als nächstes zu tun habe. Bis dahin werden wir wohl öfters lüften müssen. Das Problem ist also entschärft, aber nicht aus der Welt.

Harter Cut zum nächsten Thema: Warum haben wir uns für einen Podcast entschieden und nicht für Videos? „Andere machen doch auch YouTube!“. Und wir hätten ja auch gleich ein paar hübsche Bilder zeigen können…

Das stimmt. Eigentlich wollten wir gar nichts machen. Kein Podcast und kein Blog. Es ist aber so, dass wir Lust haben uns mit anderen Familien zu vernetzten, die ebenfalls ein ortsunabhängiges Leben anstreben oder bereits unterwegs sind.

Mit unserem Podcast outen wir uns gewisser Weise und sagen damit: Hey, hier sind wir. Und wenn ihr so drauf seit wie wir, meldet euch bei uns. Vielleicht stolpert ja mal eines Tages eine Familie darüber und wir können uns austauschen.

Und im Gegensatz zu einem Video, macht ein Podcast auch einfach weniger Arbeit. Die Aufnahme und der Schnitt sind schneller gemacht. Und es ist relativ einfach gute Qualität zu produzieren, denn ich brauche nur ein gutes Mikro.

Aber der wichtigste Grund, der gegen ein Video spricht, ist aus unserer Sicht der digitale Fußabdruck, den wir im Internet hinterlassen. Wir möchten nicht, dass Bilder und Videos von uns und unseren Kindern im Internet auffindbar sind.

Mein Dekan hat mal gesagt: Das Internet ist die größte Müllhalde der Welt. Aber es ist nicht nur die größte Müllhalde, sondern auch eine mit dem längsten Gedächtnis.

Mit dem was wir von uns veröffentlichen, lässt sich bereits heute eine Menge Blödsinn anstellen. Angefangen von Identitätsdiebstahl bis hin zu Deepfakes, die ich zu Beginn angesprochen habe. Auch mit meiner Stimme aus diesem Podcast, lassen sich täuschend echte Tonaufnahmen anfertigen.

Moment. Ich könnte es aber auch drehen: Wenn mir eines Tages peinlich ist, was ich in diesem Podcast so von mir gegeben habe, dann behaupte ich einfach, dass es eine KI war. Hihi.

Von künstlicher Intelligenz ist die analoge Grundschule unserer Kinder zum Glück noch weit entfernt. Dort hatten wir am Montag einen Termin. Der Grund war unser Antrag auf Freistellung vom Unterricht für die kommenden drei Monate. Anwesend war die Schulleiterin und die drei Klassenlehrer („Machmal Gendersternchen“). Ok, einmal. Klassenlehrer*:$&§*innen.

Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen dem was ich im Internet lese und meiner Erfahrung, die ich in der Realität mache. Denn zu lesen gibt es viel. Von Geldstrafe, über das Jugendamt, bis hin zum Knast. Es geht um die Schulanwesenheitspflicht. Also um ein Relikt aus längst vergangener Zeit, mit dem wir uns noch heute rumschlagen müssen.

Aber wie gesagt: Das eine ist was ich lese, das andere ist was ich erfahre. Und meine Erfahrung ist, dass sowohl unsere Schulleitung als auch unsere Lehrer uns bei dem Vorhaben unterstützen und uns keine Steine in den Weg legen. Meine Frau und ich empfanden das Gespräch als sehr angenehm und wir hatten das Gefühl, dass alle nach Lösungen gesucht haben, anstatt uns die eigenen Vorstellungen aufzuzwingen.

Wir sind zum Schluss gekommen, dass Homeschooling, so wie wir das die letzten 1,5 Jahre durchgezogen haben, einfach nicht funktioniert. Wochenpläne, Hausaufgaben, Korrekturen. Kommunikation mit Screenshots, Online-Tools und Video-Chats. Das alles ist noch sehr unausgereift und die Usability ist schlecht. Und das sage ich als Informatiker. Also einer, der Bock auf alles Digitale hat.

Dies hat – zumindest bei uns – zu sehr viel Frust geführt. Und wie wir im Gespräch erfahren haben, auch bei den Lehrern. Im Ergebnis haben wir uns darauf geeinigt, dass wir grob die Themen für die nächsten drei Monate genannt bekommen und der Rest in unserer eigenen Verantwortung liegt. Wenn die Kinder Fragen haben, sind die Lehrer per E-Mail erreichbar. Ansonsten ist die Schule außen vor.

Für uns sind das gute Nachrichten und wir werden in ein paar Wochen erzählen, wie es so läuft.

Bevor ich Tschüss sage, wollte ich dir noch erzählen, wie die künstlichen Intelligenz funktioniert, die Nacktbilder erzeugt. Eigentlich sind es zwei KI’s, die zusammenarbeiten. Die erste KI ist in der Lage zwischen nackt und nicht nackt zu unterscheiden.

Sie wurde darauf trainiert nackte Menschen zu erkennen. Ein Mann in Badehose? Nicht nackt. Mann ohne Badehose? Nackt.

Die zweite KI versucht aus einer Vorlage einen nackten Menschen zu generieren. Jedes generierte Bild legt sie der ersten KI vor und fragt: Nackt oder nicht nackt? Sobald die erste KI einen nackten Menschen auf dem generierten Bild erkennt, ist das Ergebnis auch für uns nicht mehr von einem echten Bild zu unterscheiden.

Solltest du dich also mal versehentlich auf eine fragwürdige Internetseite verklickt haben („Hehe, versehentlich“) und ein bekanntes Gesicht entdecken, dann erinnere dich an die technischen Möglichkeiten, die es bereits heute gibt.

Überhaupt sollten wir uns alle die Frage stellen, ob unsere Familienfotos und Videos auf einer Festplatte zu Hause nicht besser aufgehoben sind, als irgendwo in den sozialen Medien, der Cloud oder sonst wo, wo wir keine Kontrolle darüber haben.

Wir hören uns. Bis dann.

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Kein Spam. versprochen.

Über diesen Autor gibt es soviel zu sagen, das passt hier alles gar nicht hin. Am Besten kontaktieren und kennenlernen 😉.

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