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#2 – Wo stehen wir?

SpotBeat Family Podcast
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#2 - Wo stehen wir?
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Du kennst das bestimmt. Es gibt Tage, die sind einfach kacke. Der Schlaf war eher ein Delirium. Auf dem Weg ins Bad den Zeh gestoßen. Die Waage zeigt zwei Kilo mehr als gestern an. Kaffee ist schon wieder alle und die Kinder kloppen sich wegen irgendeinem Haargummi. Und das alles noch vor 7:00 morgens. Für Tage wie diese habe ich ein Rezept: Ein Glas Wasser auf ex, Schuhe an und losgehen. Nach vier Stunden ist der Kopf leer und alles ist wieder gut.

Willkommen zu der zweiten Folge des SpotBeat Family Podcasts. Mein Name ist Sergej.

Touren dieser Art mache ich seit mehr als zwei Jahren. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich mein Kopf so am Besten leere. Ich nehme nichts mit. Außer vielleicht einer Flasche Wasser, wenn ich mehr als vier Stunden unterwegs bin. Und wenn ich wieder komme, sind alle Gedanken sauber sortiert und verstaut.

Ich mache diese gedankliche Bestandsaufnahme regelmäßig. Es hilft mir einfach Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen. Ich erzähle dir das alles, weil ich heute über den Ist-Zustand sprechen möchte. Also wo wir als Familie eigentlich stehen und was alles ansteht, bis wir uns als ortsunabhängig bezeichnen können.

Ich nehme also mal Schritt für Schritt die Lebensbereiche auseinander, die einen Bezug zu unserem Wohnort haben. Das wäre:

  • das soziale Umfeld
  • Haus und Kredite
  • die Schule unserer Kinder
  • unsere Autos
  • die Arbeit
  • Verträge und Versicherungen

Meine Frau und ich sind in der ehemaligen Sowjetunion geboren. „Alter, das hört man doch!“. Achja, der Akzent. Aber von der Nationalität her sind wir Deutsche. s.g. Spätaussiedler. Anfang der 90er Jahre sind wir nach Deutschland immigriert. 10 Jahre später lernten wir uns kennen und sind seit dem zusammen.

Mittlerweile habe ich die 40 geknackt. Bei meiner Frau ist es nächstes Jahr soweit. Wir haben drei Töchter. 6, 8 und 10. Alle gehen in die Grundschule.

Verwandte und Freunde sind alle hier. Eltern, Geschwister, Tanten, Onkels, Cousins, Cousinen, Neffen und mittlerweile ein ganzer Kindergarten an Nachwuchs. Dazu kommen noch ein paar Freunde und Bekannte.

Das ganze soziale Umfeld ist hier und das ist auch der Punkt, für den wir keine wirkliche Lösung haben. Einige aus dem familiären Umfeld arbeiten daran uns von unseren Plänen abzubringen. Mal mit subtiler Angst: „Im Ausland wird man euch töten.“ Manchmal mit direkten Angriffen auf unser Gewissen: „Eure Kinder werden dumm sterben, wenn ihr auswandert.“

Wir sind aber nicht aus der Welt. Wir wandern nicht aus. Wir haben nicht vor eine gammlige Banane, gegen eine gammlige Birne zu tauschen. Unser Weg wird uns mehrmals im Jahr durch Deutschland führen. Und wir denken, dass wir die Zeit, die wir dann hier verbringen, viel intensiver nutzen werden, als es im Moment der Fall ist. Außerdem, wer sagt eigentlich, dass Deutschland der einzige Ort ist, an dem man sich treffen kann?

Freunde von uns haben z.B. in Spanien ein Ferienhaus. Dort treffen wir uns bald. Wir glauben, dass wir aktiv nach Möglichkeiten suchen werden unsere Familie und Freunde zu uns zu holen. Und wir werden versuchen mehrmals jährlich Deutschland anzufahren, damit wir uns alle sehen können.

Dann ist da noch das Haus.

Es gibt da eine Sache, die ich an mir mag. „Eigenlob stinkt“. Das ist meine Aversion gegen Kredite. Ich mag einfach keine Schulden. Sich Geld zu leihen, um damit noch mehr Geld zu machen, ergibt für mich Sinn. Sich Geld zu leihen, um sich das neueste Smartphone zu finanzieren, ist Selbstbetrug.

Bei einem Haus bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite sparre ich auf Dauer Miete und besitze eine gewisse Substanz. Auf der anderen Seite verschulde ich mich, zahle Zinsen und das Haus zieht mir dann Monat für Monat Geld aus der der Tasche.

Denn, das Grundstück gehört mir nicht wirklich. Es ist eher ein Mietverhältnis, weil der Staat jedes Jahr die Grundsteuer sehen will. Die Gebäudeversicherung ist ein Muss. Die Müllabfuhr will bezahlt werden. Strom, Wasser und Gas gibt es auch nicht geschenkt.

Oh, und lass uns nicht vergessen, dass ein Haus in Stand gehalten werden will. Wer schonmal ein Badezimmer saniert hat, weiß wovon ich rede. Allein dieses Jahr haben wir 2000€ in Kleinigkeiten gesteckt. Die 15.000€ für die Photovoltaik Anlage lass ich mal unter den Tisch fallen, weil sie sich das tatsächlich als ein sinnvolles Investment herausstellen könnte.

Januar 2020 haben wir unsere letzte Kredit-Rate bezahlt und sind seit dem frei von Schulden. Das war unser einziger Kredit und auch nicht bei einer Bank, sondern bei meinen Eltern. Danke liebe Eltern für eure Unterstützung.

Für ein ortsunabhängiges Leben ist ein Haus ein 100 Tonnen schwerer Klotz am Bein. Denn die Frage ist: Was sollen wir damit machen? „Verkaufen!“ Das, kommt nicht in Frage. Ein Haus ist Substanz und hat im Gegensatz zu Euros einen Wert.

Es einfach so stehen zu lassen und ein paar mal im Jahr selbst zu nutzen, bedeutet laufende Kosten. Denn Grundsteuer und Versicherungen fallen nicht weg. Im Winter kommt Gas und Strom dazu, denn das Haus muss auf ein Minimum beheizt werden. Und Rücklagen muss man bilden, denn jedes Haus zerfällt mit der Zeit ganz von allein.

Außerdem löst ein bewohntes Haus automatisch die Steuerpflicht aus. Denn dann geht das Finanzamt davon aus, dass unser Lebensmittelpunkt in Deutschland ist. Aber das ist ein Thema für einen anderen Podcast.

Bleibt noch Vermietung. „Und was ist wenn da Asis einziehen?“ Ja, die Sorgen haben wir auch. Da kennen wir uns nicht wirklich aus. Außerdem müsste das Haus komplett leergeräumt werden und wir haben keinen Schimmer wohin wir mit dem ganzen Krempel sollen.

Haus bleibt also weiterhin ein Punkt, über den wir nachdenken.

Kommen wir zu meinem Lieblingsthema. Die Bildung unserer Kinder. Es gibt in unserer Gesellschaft offenbar einen Konsens: Kinder müssen die Schule besuchen, sonst landen sie direkt unter eine Brücke und sterben einen qualvollen Tod. Der Ansicht war ich lange Zeit auch. Gebe ich zu. Mittlerweile denke ich aber anders.

Nicht falsch verstehen. Der Bildungsgrad unserer Kinder wirkt sich später direkt auf ihr soziales Umfeld aus. Denn gleich und gleich gesellt sich gern. Ihre Bildung wird sich später auch darauf auswirken, wie und wieviel Lebenszeit sie in die Erwirtschaftung ihres Lebensunterhalts investieren müssen. Also ob sie sich mit drei Jobs gerade so über Wasser halten können, oder ob vier Stunden die Woche ausreichen.

Auch wollen wir nicht, dass sie mit 16 ein Kind anschleppen oder mit einer Überdosis im Krankenhaus landen.

Sinnvolle Bildung ist für uns also ein großes Thema. Allerdings glauben wir nicht daran, dass Kinder nur in einem Schulgebäude etwas lernen können. Sicher, Drill funktioniert, das ist keine Frage. Aber es gibt Alternativen.

Unsere Kinder haben die Pflicht in der Schule anwesend zu sein, solange wir in Deutschland als wohnhaft gemeldet sind. Und da hast du schon das einzige Kriterium gehört, dass ausschlaggebend ist: wohnhaft gemeldet.

Wir haben bei unserer Schulleitung einen Antrag gestellt, unsere Kinder von der Anwesenheitspflicht zu befreien. Das ist unserer Meinung nach der richtige Weg. Wir wollen mit der Schule kooperieren und das Beste beider Welten für unsere Kinder rausholen. Aber, wir machen unsere Pläne nicht davon abhängig, ob der Antrag bewilligt wird oder nicht.

Nächste Woche haben wir einen Termin mit den Klassenlehrern und der Schulleitung. Es geht darum abzuklären, wie unser Vorhaben mit den Zielen der Schule vereinbart werden kann. Es kann für uns so und so ausgehen. Denn Schulen müssen sich an die Vorgaben aus dem Schulministerium halten. Die Schulleitung hat gewisse Spielräume, aber wir wollen niemanden in Schwierigkeiten bringen.

Wenn alle Stricke reißen, melden wir uns bei der Gemeinde ab. Dann hat sich die Anwesenheitspflicht in der Schule erledigt. „Das Kindergeld aber auch“. Das ist der Haken. Wie das Gespräch verlaufen ist, erzähle ich in der nächste Folge.

So. Kommen wir zum nächsten Thema: Das Auto.

Jedes Auto hat einen Halter und der Halter braucht eine Adresse. Damit haben alle Fahrzeuge, die auf uns angemeldet sind, automatisch einen Ortsbezug.

Wir haben aktuell zwei Autos. Das eine leasen wir, wobei der Vertrag im August 2022 abläuft und im anderen wollen wir wohnen, nehmen es also mit.

Es gibt eine Möglichkeit sich aus Deutschland abzumelden und trotzdem ein Fahrzeug auf sich zuzulassen. Und dazu lese ich mal aus der Fahrzeug-Zulassungsverordnung vor:

“Besteht im Inland kein Wohnsitz, kein Sitz, keine Niederlassung oder keine Dienststelle, so ist die Behörde des Wohnorts oder des Aufenthaltsorts eines Empfangsbevollmächtigten zuständig.” Den Link findest du im Text.

https://www.gesetze-im-internet.de/fzv_2011/__46.html

Übersetzt: Du musst nur jemanden kennen, der in Deutschland einen Wohnsitz hat und sich bereit erklärt deine Strafzettel an dich weiterzuleiten. Wenn es soweit ist, werde ich meinen Bruder um den Gefallen bitten. Aber noch haben wir ja eine Anschrift. Thema erledigt.

Nächstes Thema: Lebensunterhalt.

Ja das ist vermutlich die allergrößte Hürde, die Menschen auf dem Weg zum ortsunabhängigen Leben nehmen müssen. Meine Frau und ich arbeiten daran schon seit über 5 Jahren und wir sind soweit. Unsere Arbeit erledigen wir zu 100% am Laptop und am Telefon.

Meine Frau kümmert sich um die Finanzen und den digitalen Papierkram in unserer kleinen Firma. Und ich mache das, was Softwareentwickler den ganzen Tag so tun.

Tatsache ist, dass ein ortsunabhängiges Leben nur mit einer ortsunabhängigen Arbeit finanziert werden kann. Es sei denn du hast geerbt, gespart oder lebst von Zinsen. Sicher kann man als Erntehelfer oder Tischler unterwegs etwas dazu verdienen, aber das stelle ich mir irgendwie anstrengend vor.

Diese neugewonnene Unabhängigkeit geben wir auch nicht mehr her. Arbeitnehmer haben es da viel schwerer. Aber in der heutigen Zeit ist Homeoffice eher die Regel als die Ausnahme, so dass ich mir vorstellen kann, dass es auch da Möglichkeiten gibt.

Damit komme ich zum letzten Punkt: Verträge und Versicherungen.

Wir haben die letzten Jahre unsere Versicherungen auf ein Minimum reduziert. Eigentlich haben wir nur eine KFZ-, eine Wohngebäude-, eine Haftpflicht- und eine Krankenversicherung.

Die werden wir auch behalten. Einzig die Krankenversicherung ändern wir ab. Wir benötigen nämlich eine internationale Krankenversicherung. Die also – egal wo und wie lange wir uns aufhalten – im Fall der Fälle greift. Und da fällt uns der Wechsel nicht schwer.

Aktuell bin ich freiwillig gesetzlich versichert, gehe nie zum Arzt und zahle trotzdem meine 700€ jeden Monat. Was sich auf schlappe 8000€ pro Jahr summiert.

Das Angebot einer internationalen Krankenversicherung, das uns vorliegt, kostet uns 250€ pro Monat. Und damit ist unsere komplette 5-Köpfige Familie versichert. Sogar in Deutschland.

Der Grund für den Preisunterschied ist eine Selbstbeteiligung in Höhe von 1500€ und keine ambulante Behandlungen. Damit sind Arztbesuche gemeint. Also genau das, was wir so gut wie nie beanspruchen.

Natürlich lässt sich auch die internationale Krankenversicherung bis zu 700€ pro Monat aufblähen. Aber 99% der abgedeckten Leistungen nehmen wir einfach nicht in Anspruch und behalten lieber das Geld für uns.

Auch bei den Verträgen haben wir deutlich abgebaut. Vereine sind gekündigt. Wir abonnieren keine Zeitungen oder Magazine, Mobilfunkverträge laufen auf die Firma und der Rest hat mit dem Haus zu tun. Internet, Gas, Strom, Wasser, Abwasser und Müllabfuhr. Aber das steht, wie gesagt, noch auf der ToDo.

Wie du bestimmt gemerkt hast, beschäftigen wir uns nicht erst seit gestern mit dem Thema der Ortsunabhängigkeit. Ein paar Dinge sind erledigt. Andere sind noch in Arbeit und wiederum andere haben wir noch garnicht auf dem Schirm. Es ist ein Prozess.

Ich hoffe du konntest etwas für dich mitnehmen. In der nächste Folge sind wir wieder ein wenig schlauer und ein paar Schritte weiter. Und ich werde natürlich über unseren Termin in der Schule berichten.

Wir hören uns. Bis dann.

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Kein Spam. versprochen.

Über diesen Autor gibt es soviel zu sagen, das passt hier alles gar nicht hin. Am Besten kontaktieren und kennenlernen 😉.

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